Unternehmertreffen in Nandlstadt

„Was braucht’s, damit das Gewerbe dableibt?“
Am vergangenen Freitag hatte die örtliche CSU und ihr Bürgermeister-Kandidat Franz Mayer zum Unternehmerfrühstück ins Gewerbegebiet eingeladen: Co-Gastgeber war der Lasertechnologie-Spezialist „application technology“, der seine Produktionshalle extra für die Veranstaltung ausräumte und anschließend auch mal zeigte, was für einen Hightech-Player die Hopfengemeinde da in ihrem Gewerbegebiet hat.

Als Hauptredner begrüßte Franz Mayer den ehemaligen bayerischen Wirtschaftsminister Otto Wiesheu, der von Kreishandswerksmeister Martin Reiter und dem Bundestagsabgeordneten Erich Irlstorfer flankiert wurde. Bevor der Ex-Minister zu Wort kam, führte Mayer kurz die Herausforderungen an, die der künftige Bürgermeister von Nandlstadt dringend angehen müsse.

Amtsanwärter Mayer rechnete vor: Im Jahre 2009 zahlten 430 Betriebe insgesamt 365.000 Euro in die Gemeindekasse ein. 2015 erzielten 442 Betriebe Einnahmen von 610.000 Euro und im vergangenen Jahr waren es 938.000 Euro, die 442 ortsansässige Betriebe an Gewerbesteuern einzahlten. Mayer folgerte daraus, dass allein die gute Konjunktur für steigende Einnahmen gesorgt hatte, nicht aber die Ansiedlung von neuen Betrieben.

Das sei aber beileibe nicht so einfach: Als 2001 das Gewerbegebiet Kitzberger Feld in Nandlstadt aufgesetzt worden war, habe man eine Fläche von insgesamt 80.000 Quadratmetern überplant. Bis heute werden im Gewerbegebiet aber nur 35.000 Quadratmeter von Unternehmen genutzt. Es herrsche Stillstand, weil die Gemeinde aktuell keine weiteren Grundstücke in ihrem Besitz habe, so Mayer. „Da müssen wir ran, damit uns keine Nandlstädter Unternehmer abwandern, nur weil es hier gerade keinen Gewerbegrund gibt“. Klar sei, dass die Verhandlungen mit Eigentümern oft nicht einfach seien, „aber eine Lösung findet sich immer, wenn man halt auch nicht lockerlässt“.

Als genauso wichtig sieht der Bürgermeister-Kandidat die digitale Infrastruktur in der Gemeinde an: „Die ist heutzutage doch genauso wichtig für ein Unternehmen wie Wasser und Strom“. Zudem hat die EU Bayern als erstem Bundesland den schnelleren Netzausbau genehmigt. „Der Ausbau für die digitale Infrastruktur im Gigabit-Bereich wird nun mit 80 Prozent bezuschusst. Das muss der neue Bürgermeister sofort versuchen zu nutzen – für unser Gewerbgebiet, für die Schule, für das Rathaus und auch für private Haushalte“, forderte Franz Mayer.

Dass Geld für Fördermaßnahmen da sei, bestätigte auch MdB Erich Irlstorfer: „Von 22 Anträgen für etwaige Baumaßnahmen bezüglich der Straßeninfrastruktur in meinen Wahlkreisen, habe ich 21 Anträge erfolgreich durchgebracht“. Damit wandere die größte Fördersumme außerhalb des Münchner Stadtgebietes in die nördliche Region, so Irlstorfer. „Die Gelder stehen bereit, aber man muss sich halt auch kümmern, um sie abzurufen“.

Ähnliche Erfahrungen hatte Otto Wiesheu als bayerischer Wirtschaftsminister auch gemacht. „Da haben die anderen Bundesländer immer geschimpft, dass so viele Fördergelder nach Bayern gehen. Das ist auch heute noch der Fall und gut so. Die anderen Bundesländer scheuen scheinbar schon die Planungen, weil sie Angst vor etwaigen Protesten aus der Bevölkerung haben“. 

Investitionen und Innovationen seien in der Wirtschaft – ganz egal auf welchem Niveau – immer ein permanenter Prozess: „Das ist in der Autoindustrie so, aber auch im Handwerk oder in der Landwirtschaft“. Seiner Meinung nach müsse der Staat die Ausgaben, die ein Unternehmen für Innovationen schultern muss, noch mehr steuerlich anerkennen, forderte Wiesheu. Er fahre jedes Jahr nach China und schaue sich dort um. „Die Chinesen sind investitionsbesessen, digitalbesessen und auch noch total Roboterversessen“, so Wiesheu. „Daran sollten wir uns ein Beispiel nehmen, wenn wir technologisch nicht weit zurückbleiben wollen“.

Für Innovation und Fortschritt bedürfe es beileibe nicht riesiger Konzerne, waren sich die Redner zum Abschluss einig. Das Gastgeber-Unternehmen sei doch dafür auch der beste Beweis. Deren Firmenhistorie startete ähnlich wie bei Google, nämlich in der eigenen Garage. Als den beiden Brüdern Jürgen und Michael Berndl dort der Platz für ihre Maschinen und die Miniatur-Produktion nicht mehr reichte, errichteten sie am Kitzberger Feld eine große Produktionshalle und kauften nach und nach Schweißroboter, Produktionstechnik und Steuerungsgeräte dazu. „Das war aber ein ziemlich steiniger Weg“, gaben sie unumwunden zu.

Knapp zehn Jahre sind die Berndl-Brüder schon als Unternehmer tätig und bauen heute (oft geheime) Kleinserien für die Automobilindustrie. Darunter Alu-Rahmen, die im neuen Elektro-Sportwagen von Porsche, dem Taycan, die Batteriemodule tragen und für die nötige Stabilität sorgen. Ähnliches fertigt application technology auch für BMW und im Auftrage von anderen Unternehmen in der Automobilindustrie. Ziemlich neugierig waren dann die Gäste auch auf die Führungen durchs Unternehmen. Die Tore von application technology wurden bisher ganz selten geöffnet. Vor zwei Jahren musste eine weitere Halle für die Produktionsaufträge her, die glücklicherweise noch gegenüber vom Hauptgebäude Platz fand.

Der Austausch zwischen den örtlichen Unternehmern und den hochrangigen Gästen dauerte bis in den frühen Nachmittag an. Erste Pläne, wie es im Nandlstädter Gewerbegebiet weitergehen könnte, wurden offensichtlich geschmiedet.

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